23.07.19

Brandstiftung – Wer zahlt bei Waldbrand

Wer ersetzt Schäden an Haus und Hof, Leib und Leben, die durch Wald- und Wiesenbrände entstanden sind?

Waldbrände nehmen zu. Und immer häufiger greifen sie auf bewohnte Gebiete über und beschädigen Besitz, Autos und manchmal die eigene Gesundheit. Anschließend hat man nicht nur diese Probleme, sondern weiß auch nicht sofort, wer für einen Schaden aufkommen wird.

Viele Versicherer zeichnen ein klares Bild und schreiben leichtfüßig, dass alle versicherten Schäden – entweder über eine Haftpflicht, dann die des Verursachers, oder über eine andere Versicherung – auch ausgeglichen werden. So einfach ist es aber in der Praxis häufig nicht.

Sachschäden sind dabei grundsätzlich in einer Versicherung gedeckt, die entweder für den Verursacher eintritt (Haftpflichtversicherung) oder eigene Schäden explizit erfasst (Hausrat und Gebäude).

Personenschäden und Unfallfolgen werden von der Krankenversicherung getragen und von der Unfallkasse übernommen. Zusätzlich greifen weitere private Krankenversicherungen oder Krankenzusatzversicherungen für die Kosten der Akutbehandlung und Folgebehandlung – auch für Reha-Kosten. Die müssen Sie aber selbst zusätzlich abschließen.

Jede Form der Versicherung befreit aber den Verursacher nicht von seiner Haftpflicht. Selbst die Sozialversicherungsträger werden die Haftpflichtversicherung des Verursachers später für ihre verauslagten Kosten in Anspruch nehmen. Der Geschädigte bekommt davon in der Regel allerdings nichts mit.

Soweit, so gut. Die Erstattung hat ihre Grenze aber da, wo die geforderten Schadenersatzleistungen den Leistungsbereich zum Beispiel der Sozialversicherungsträger verlassen. In diesem Fall auf Verdienstausfälle und Minderverdienst nach einem Langzeitschaden. Je nach konkreter Situation greift hier zwar die Unfallversicherung. Aber auch die hat ihre Grenzen. Und wenn der Verantwortliche selbst ohne Versicherung ist oder seine Versicherungssumme nicht ausreichend hoch ist, bleibt diese Lücke offen.

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Was ist bei Verlust von Eigentum durch Brandstiftung?

Über die Hausrat- und die Gebäudeversicherung sind vorsätzlich verursachte Schäden in der Regel mitversichert. Dazu zählen auch Schäden durch Brandstiftung. Bei Fahrzeugen greift hier aber nur die Kasko-Versicherung (als Teil- oder Vollkasko – und deren Leistungsspektrum hängt stark von Anbieter und der konkreten Police ab).

Kann sich die Hausrat- bzw. Gebäudeversicherung entspannt zurücklehnen und die Geschädigten an den (zumeist geist- und mittellosen) Feuerteufel verweisen?

Nein. Wenn der Schaden durch ein Feuer entstanden ist und diese Ursache als Versicherungsfall in der Police festgehalten ist, muss die Versicherung zahlen. Zumindest muss die Versicherung umfassend prüfen, wie weit sie für einen Schaden aufkommen muss und kann die Erstattung nicht stante pede zurückweisen. Zur Prüfung gehören Gutachten und die Ursachenbewertung der Polizei. Wenn der Schaden klar in den Leistungsbereich der Versicherung fällt, kann sie sich nicht so einfach aus der Erstattungspflicht zurückziehen.

Verursacherprinzip

Wer einen Waldbrand verursacht, muss – wie im übrigen Haftungsrecht auch – für die Schäden aufkommen. Das übernimmt die Haftpflichtversicherung des Verursachers in der Regel bis hin zu grober Fahrlässigkeit. Vorsatzhandlungen werden nicht gedeckt. Soweit kein großer Unterschied zur gesetzlichen Haftpflicht und den meisten Versicherungsbestimmungen überhaupt.

Aber die von den Versicherungen meist vereinfacht dargestellte Lage hat einen Haken: Die Höhe der Schäden. Wenn, wie jüngst im Norden Mecklenburg-Vorpommerns, immense Flächen und viele Grundstücke und Immobilien betroffen sind, reicht die Versicherungssumme einer herkömmlichen Haftpflichtversicherung kaum aus – egal, ob es eine Privat- oder Firmenhaftpflicht oder eine Kfz-Haftpflichtversicherung ist.

Wenn die Versicherungssumme die Höhe des Schadens nicht decken kann, zahlt der Verursacher den Rest. Wenn er nicht kann, kann er nicht – wer dann noch „offene Rechnungen“ hat, bleibt meist darauf sitzen.

Welche Versicherung greift?

Ganz so trostlos ist es aber nicht grundsätzlich. Verschiedene eigene Schäden sind auch dann versichert, wenn sie von einem Dritten vorsätzlich begangen wurden oder durch äußere Einflüsse bedingt waren. Zum Beispiel ersetzt die Wohngebäude– bzw. Gebäudeversicherung Brandschäden an der versicherten Immobilie.

Für die Inneneinrichtung gilt ähnliches: Die Hausratversicherung gleicht Schäden aus, die durch Feuer verursacht wurden.

Sie haben bei konkreten Schäden an versicherten Häusern und Gegenständen also grundsätzlich Versicherungsschutz. Prüfen Sie aber vor allem Ihre Police darauf, welche Schadenfälle ausgeschlossen wurden und was die Versicherung sagt, wenn ein Dritter klar für den Schaden verantwortlich ist. Für Sie wäre es am einfachsten, wenn Ihre Versicherung an Sie zahlt und sich die Kosten vom Verursacher zurückholt. Dann kann es für Sie egal sein, ob der zahlen kann oder nicht.

Wenn die Versicherung aber darauf verweist, dass es einen konkreten Ansprechpartner gibt und Sie sich an diesen wenden sollen – dann müssen Sie Ihren Schaden quasi selbst regulieren und sind auf die Liquidität des Verantwortlichen angewiesen.

Versicherte Ursachen

Außer Vorsatz decken die Haftpflichtversicherungen im Grunde alle Schadenursachen ab. Je nach Police auch einschließlich grober Fahrlässigkeit – für den Fall, dass Sie tatsächlich erst im brennenden Feld bemerken, dass die Unkrautvernichtung mittels Gasbrenner aktuell keine gute Idee war.

Es greift immer die nächstliegende Haftpflichtversicherung für den Schaden:

  • Haben Sie persönlich ein Feuer ausgelöst, zahlt Ihre Privathaftpflicht.
  • War es im Rahmen beruflicher Tätigkeiten, dann greift die Firmenhaftpflicht.
  • Und wenn Ihr abgestelltes Auto über die Restwärme des Motors ein Feuer auslöst, dann zahlt die Kfz-Haftpflicht.

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Staatliche Fonds und eigene Versicherungen

Wenn der Schaden besonders groß ist, gleichen bisweilen Kommunen, Länder oder der Bund Kosten der Betroffenen aus. Vor allem dann natürlich, wenn der Wald in Besitz des jeweiligen Eigners ist. Darauf gibt es aber keinen gesetzlichen Anspruch und es kommt auch nicht in jedem Fall vor – darauf können Sie sich nicht verlassen!

Private Waldbesitzer und private und gewerbliche Bewirtschafter von Waldflächen können darüber hinaus ihre eigenen Risiken am Baumbestand, Zuchtforsten oder Rohholz in einer Waldbrand- und Waldsturmversicherung abdecken. Die Versicherung wird von Spezial-Versicherungsunternehmen angeboten.