11.10.17

Trinkgeld: Wie viel ist angemessen? Muss ich Trinkgeld geben?

    Ja, natürlich: 10 Prozent sollen es sein, sagt das allgemeine Verständnis über die Höhe von Trinkgeld. Und auch eine bestimmte Rundungsbequemlichkeit spielt eine Rolle – seltener wird man jemanden bei einer 17,65-Euro-Rechnung sagen hören „18,11 Euro bitte“.

    Aber was sind eigentlich die Verbindlichkeiten? Auf welcher Basis wird in Deutschland Trinkgeld gegeben? Und kann ein Kellner das einfordern?

    Kein Recht auf Trinkgeld

    Ein „Recht auf Trinkgeld“ gibt es in Deutschland nicht. Wer seiner Bedienung etwas geben will, tut das freiwillig. Wenn er höflich ist, legt er ungefähr ein Zehntel der Rechnung nochmal drauf – mehr oder weniger. Das muss aber niemand. Verzehrpreise müssen in der vollständigen Höhe vorher angegeben werden, darauf muss ein Gast sich verlassen können. Und auch die Bedienung wird über ein Arbeitsentgelt entlohnt – muss also ihren Lebensunterhalt nicht allein aus dem Trinkgeld bestreiten. Wer kein Trinkgeld gibt, handelt also nicht ungesetzlich.

    Auf der anderen Seite hat der Kellner daraus ebenfalls kein Recht, ein Trinkgeld einzufordern. Auch bei langem Aufenthalt eines Gastes in der Gaststätte nicht, und auch nicht, wenn der „Aufwand an Tisch 17“ heute besonders hoch war wegen der schreienden Kinder und dem hungrig-ungehaltenen Familienvater, der das mitgebrachte Brei-Gläschen viermal zum kostenlosen Aufwärmen hat gehen lassen.

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    Nicht alles muss Recht sein

    Aber natürlich wird nicht das ganze Leben am Gesetz gemessen. Gerade geselliges Beisammensein wird aus guten Gründen meistens hoffentlich außerhalb gesetzlicher Regelungen organisiert – und dazu gehört das Trinkgeld nach einem Restaurant- oder Barbesuch.

    Die rechtliche Grenze: Moralischer Druck und aktives Einfordern

    Dass Kellner ein höheres Trinkgeld einfordern, ist jedoch eher unüblich. Auch zahlreiche Facebook-Kommentare weisen darauf hin, dass selbst Kellnerinnen und Kellner darauf wohl eher verzichten würden, auch wenn die Bediengeld gering ausgefallen ist.

    Das Einfordern kann sogar arbeitsrechtliche Konsequenzen haben. Wer mehrfach damit auffällt, dass er nach Trinkgeld fragt oder sogar um eine Erhöhung bittet, handelt pflichtverletzend. Wenn die Nachfrage besonders dreist erfolgen würde, können sogar strafrechtliche Dimensionen erreicht werden.

    Die Realität: Zeichen von Anerkennung oder Missbilligung

    Viele Gäste nutzen die lockeren Gegebenheiten rund ums Trinkgeld dafür, den erlebten Service zu bewerten. So zeigt ein tendenziell höheres Trinkgeld an, dass man zufrieden war. Ein tendenziell geringeres Trinkgeld bedeutet entsprechend das Gegenteil.

    Wer aber ernsthafte Kritik hat, sollte sie direkt äußern. Das sorgt für Klarheit und vor allem kann man sicher sein, dass das „Zeichen“ auch richtig ankommt.