26.06.18

Zuhause im (Un)Glück? Das böse Erwachen nach der Fernsehshow-Renovierung

    Was immer sich die Betroffenen im Einzelnen auch ausgemalt haben mögen – eines sollte durch die Teilnahme bei „Zuhause im Glück“ auf jeden Fall passieren: Ihre vier Wände sollten hinterher schöner als vorher sein.

    Schon beim Renovierungs-Vorgänger „Einsatz in vier Wänden“ mit Tine Wittler war vor gut 5 Jahren das böse Erwachen für die Kandidaten gekommen: Nachzahlung von Einkommenssteuer, weil das Finanzamt die Fernseh-Leistungen als Einkommen für die Teilnehmer an der Show wertete. Seit 2013 wird die Sendung nicht mehr ausgestrahlt.

    Die Erfahrung des Muttersender RTL hat Tochter RTL2 offenbar nicht beeindruckt. Die „Heimverschönerungssendung“ „Zuhause im Glück“ läuft noch immer. Regelmäßig macht das Team um Eva Brenner und John Kosmalla die Heimstatt ihrer Kandidaten und rechtlichen Vertragspartner schöner. Und zeigt dabei gern Leben, Haus und Gewohnheiten der Inhaber ausgebreitet vor und nach der Renovierung. Bislang wurden mehr als 200 Folgen der Doku-Soap ausgestrahlt.

    Jeder Hausumbau wird zum emotionalen Erlebnis und ein Happy-End ist garantiert.“ (RTL2-Webiste „Zuhause im Glück) – Nach Happy End sieht es derzeit allerdings nicht aus.

    Für die Sendung zeichnet die Produktionsfirma UFA verantwortlich. Sie organisiert und wickelt vor allem auch die vertraglichen Details ab. Die Vertragstexte liegen uns vor.

    Darin heißt es unter anderem:

    • Die Vertragspartner (also die, deren Wohnungen und Häuser verschönert werden sollen, a.d.R.) werden dafür nicht extra vergütet
    • Strom und Wasser zahlen sie selbst
    • Und auch: Steuerlich sind sie selbst für die korrekte Angabe der Renovierungsleistungen als Einkommen verantwortlich.

    Die Betroffenen sagen allerdings: Im direkten Gespräch war so klar davon keine Rede. Relativierungen bis hin zur sinngemäßen Mitteilung „da wird schon nichts kommen“ sollten die Showteilnehmer beruhigen.

    Dabei war schon 2012 die Wittler-Produktionsfirma an Verhandlungen mit dem Finanzamt Köln gescheitert. Da erscheint es kaum wahrscheinlich, dass diesmal die UFA, die Produktionsfirma von „Zuhause im Glück“ (ZiG), bei Verhandlungen mit den Finanzbehörden erfolgreicher sein wird.

    Trotzdem schreibt sie:

    Das Finanzamt Köln führt gerade eine Betriebsprüfung bei uns (gemeint ist die „ZiG“-Produktions-Firma UFA Show & Factual, a.d.R.) durch und hat uns darauf hingewiesen, dass die Finanzverwaltung nunmehr alle Renovierungsleistungen als steuerpflichtiges Einkommen der Familien ansetzt.

    Nach zwischenzeitlich hierzu eingeholtem externen Rechtsrat ist tatsächlich auch nicht auszuschließen, dass die finanzgerichtliche Rechtsprechung sich der Auffassung der Finanzverwaltung anschließen wird. […]

    Aber von Aussicht auf Unterstützung keine Spur. Stattdessen:

    Wir weisen in unseren Verträgen mit Euch bereits darauf hin, dass die Renovierungsleistungen einkommensteuerpflichtig sein können.

    Und da haben sie recht. Klar und deutlich steht in den Verträgen (hier zitiert aus einem Vertrag von 2014) in Absatz 4 zum Thema Vergütung:

    Für die ggf. erforderliche ordnungsgemäße steuerliche Abwicklung ist der Vertragspartner selbst verantwortlich. Es wird darauf hingewiesen, dass die Renovierungsleistungen möglicherweise einkommenssteuerpflichtig sind.

    Allerdings steht diese Mitteilung in einem gewissen Gegensatz zu dem, was die UFA in ihrem aktuellen Rundschreiben sagt. Nach der Aussage, dass es ihres Wissens bisher keinen Fall von Finanzamt-Forderungen gegenüber einem ZiG-Teilnehmer gegeben habe, schreibt sie:

    Nun stehen wir vor einer veränderten Sachlage und möchten Euch hiermit darüber informieren, dass Ihr die Renovierungsleistungen in Eurer Steuerklärung in jedem Fall angeben oder Eure Steuererklärung korrigieren solltet, sofern Ihr diese bereits abgegeben habt. Wir müssen Euch zudem darauf hinweisen, dass Euch ansonsten steuer- und ggf. auch strafrechtliche Konsequenzen drohen können.

    Mit anderen Worten: Im Vertragstext von 2014 gehen die „Zuhause im Glück“-Macher davon aus, dass es durchaus steuerrechtliche Relevanz hat, was sie ihren Teilnehmern „Gutes“ tun. 2018 ist die Forderung des Finanzamts dann jedoch plötzlich eine veränderte Sachlage.

    Man würde außerdem zwar externen Rat einholen und die Teilnehmer über das Ergebnis informieren. Hilfe sollen sich die Betroffenen jedoch bei ihren eigenen Steuerberatern holen.

    Seit einigen Tagen melden sich Betroffene bei Verbraucherexperte Escher mit ihren Sorgen. Auch Eschers Experten-Team ist an dem Thema dran – und prüft sowohl die Finanzamt-Forderungen als auch die Vertrags-Gestaltung bei der UFA. Ergebnisse lassen sich so schnell jedoch nicht erwarten. Bleibt die traurige Zwischenbilanz:

    Egal, was jemand am Telefon oder vor Ort vollmundig verspricht:

    Am Ende zählt nur, was man schriftlich hat.

    Wir halten Sie auf dem Laufenden über die Experten-Einschätzungen zu diesem Thema und veröffentlichen in der nächsten Woche ein ausführliches Interview mit unseren Rechtsanwälten.

    inhaltlich Verantwortlich: Peter Escher