03.04.18

FAHRERFLUCHT – Wie verhalte ich mich im Schadensfall richtig?

    FAHRERFLUCHT – Wie verhalte ich mich im Schadensfall richtig?

    Fahrerflucht – ein heißes Thema. Zuletzt berichtete Panorama auf Grundlage einer Umfrage (Infratest dimap), dass fast die Hälfte aller befragten Autofahrer schon Erfahrungen mit plötzlichen Schäden an ihrem Auto konfrontiert war – und der oder die Verantwortliche war bereits über alle Berge.

    Was ärgerlich und finanziell belastend für die Geschädigten ist, ist auch eine riskante und strafbewehrte Angelegenheit für die Täter. Denn wer einen Schaden anrichtet und sich seiner Verantwortung entzieht, entzieht sich damit auch seiner finanziellen Ausgleichspflicht und gesetzlichen Haftpflicht. Das führt schon bei kleinen Bagatellschäden zu empfindlichen Ordnungs- und Bußgeldern.

    • 3 Punkte in der Kartei beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg
    • Strafantrag bei schwereren Schäden
    • Bußgeld und Schadenersatzzahlung

    Denn Fahrerflucht ist eine Straftat und wird entsprechend geahndet. Damit kann sich der Täter erheblichen Ärger einhandeln. Handelt er besonders skrupellos und fährt nach einem Unfall, bei dem Menschen verletzt wurden, vom Unfallort weg, geht es sogar unmittelbar um Freiheitsstrafen.

    Dabei ist es mit der Verantwortung für das eigene Tun – denn darum geht es im Kern – abgesehen von der sozialen Verpflichtung auch gesetzlich nicht sonderlich kompliziert.

    Wir haben das Wichtigste zum Thema zusammengetragen. Sowohl für die, denen das Ärgernis schon einmal passiert ist und Opfer einer Fahrerflucht wurden, als auch für die, die sich wider besseres Wissen oder aus Angst vor Konsequenzen nach einem Unfall schon einmal unerlaubt „aus dem Staub gemacht“ haben.

    Der Klassiker: Einparkschäden

    Wenn Sie es waren:

    Rein gesetzlich werden solche Unfälle auch auch als Unfall im ruhenden Verkehr bezeichnet. Das hat auch eine Bedeutung: Denn wenn es einem Täter nach kurzer Zeit doch einleuchtet und er sich innerhalb von 24h nach dem Ereignis selbst anzeigt, kann ihm bei Bagatellschäden die Strafe erlassen werden. Er muss dann nur den entstandenen Schaden zahlen. Für Unfälle im fließenden Verkehr gilt das nicht.

    Um Längen besser:Sie bleiben gleich vor Ort. Warten Sie eine Zeitlang auf den Fahrer des Fahrzeugs, das Sie beschädigt haben. „Angemessen lange“ sagt sinngemäß das Gesetz. Wenn Fahrer oder Besitzer nicht kommen, rufen Sie die Polizei an und sagen, was passiert ist. Dann nehmen Sie aufrecht das Verwarngeld entgegen und hinterlassen Ihre Personalien. Denn Sie haben immerhin nach dem Unfall richtig gehandelt.

    Ihre Vorteile:

    • Sie begehen keine Fahrerflucht und werden nicht strafrechtlich verfolgt
    • Sie behalten den Versicherungsschutz, Ihre Haftpflicht gleicht den Schaden Ihres Gegenüber aus
    • Sie können ruhig schlafen weil Sie sich nicht ständig fragen: „Hat mich vielleicht doch jemand gesehen?“

    Wenn es Ihnen passiert ist:

    In der Panorama-Umfrage gaben aber nur knapp 13% an, sich schon einmal unerlaubt von einem Unfall entfernt zu haben. Fast die Hälfte hatte hingegen bereits „das Vergnügen“, selbst den Schaden zu haben.

    Das ist für jeden eine ärgerliche Situation. Zwar können Sie den Schaden von der Kasko beheben lassen. Wenn Sie aber einen Tarif mit Selbstbeteiligung abgeschlossen haben, kostet Sie das natürlich trotzdem etwas.

    Der Ausweg:Schon hier kommt es auf die Versicherung an. Die meisten Teilkasko-Tarife decken Schäden ohne bekannten Verursacher nicht ab. Aber es gibt Ausnahmen, die sich möglicherweise lohnen. Checken Sie für sich die Angebote. Besonders dann, wenn Sie in einer Stadt wohnen oder Ihr Auto regelmäßig auf der Straße, also nicht in der Garage oder auf dem Grundstück geparkt wird.

    Das sollten Sie tun:

    • Wenn Sie den Unfallschaden bemerken, dokumentieren Sie kurz Art und Umfang. Vor allem mögliche „Hinterlassenschaften“ des Flüchtigen können wichtig sein: Lackspuren oder kleinere Fahrzeugteile, die auf Farbe und ggf. Art des Verursacherfahrzeugs schließen lassen. Mit dem Handy ist eine kleine Fotoserie meist kein Problem.
    • Informieren Sie die Polizei über den Vorfall. Schildern Sie möglichst präzise, was Ihnen aufgefallen ist und was möglicherweise passiert ist.
    • Steht jemand in den Nähe, raucht vielleicht gerade oder telefoniert mit dem Handy und könnte darum schon ein paar Minuten länger vor Ort sein? Sprechen Sie solche Personen an, ob ihnen vielleicht etwas aufgefallen ist. Das kann helfen den Verursacher zu finden. Der bzw. dessen Versicherung muss den Schaden natürlich zahlen.

    PS:Manchmal gestaltet sich besonders diese Situation schwierig. Denn eine Fahrerflucht kann zum Versicherungsschutz des Gegenüber führen. Dann muss er selbst für den Schaden an Ihrem Fahrzeug zahlen. Kann er das nicht, kann es eng werden und Sie bleiben auf dem Schaden sitzen. Sprechen Sie hier mit Ihrer eigenen Versicherung. Je nach Versicherungsvertrag (zum Beispiel in einigen Tarifen mit Schutz gegen Haftungsausfall) übernimmt sie den Schadenausgleich und fordert die Summe dann vom Gegner zurück, ohne, dass Sie etwas davon merken.

    Zusammengefasst

    Wie machen Sie es richtig, wenn Sie ein anderes Auto beim Einparken touchiert haben?

    Warten Sie angemessen lange, ob sich Fahrer oder Besitzer am Auto einfinden. Dokumentieren Sie wenn möglich die Schäden, damit Ihnen, wenn niemand kommt, hinterher auch nur das angelastet werden kann, was Sie wirklich verursacht haben. Melden Sie (unmittelbar oder zeitnah) den Schaden Ihrer eigenen Haftpflichtversicherung.

    Es ist doch nur ein Kratzer. (Wie lange) muss ich warten?

    Angemessen lange heißt: In einer Wohnsiedlung können Sie vielleicht bei den 4 nächstgelegenen Einfamilienhäusern klingeln und nach dem Besitzer fragen und müssen so gar nicht warten. In der Stadt stehen Autos auch mal drei Tage ungenutzt am gleichen Platz, ohne dass sich jemand zeigt. Wie lange, entscheiden die Umstände und Sie müssen das einschätzen. In der Regel müssen Sie wahrscheinlich nicht länger als eine Stunde ungefähr vor Ort bleiben.

    (Wann) darf ich weg fahren?

    Wenn Sie nicht mehr warten können oder es für aussichtslos halten, sollten Sie die Polizei benachrichtigen und den Schaden melden. Das müssen Sie nicht grundsätzlich, wenn Sie den Halter anders kontaktiert und Ihre persönlichen Daten ausgetauscht haben. Aber wenn Sie den Halter nicht gefunden haben, müssen Sie das. Teilen Sie mit, wie das Auto beschädigt ist und vor allem, ob es noch sicher dort steht, wo es steht. Das ist zum Beispiel nicht der Fall, wenn eine Scheibe zu Bruch gegangen ist.

    Der berühmte Zettel hinter dem Scheibenwischer

    Es reicht nicht – in keinem Fall – wenn Sie einen Zettel hinterlassen. Er kann weg fliegen, vom Regen verwaschen werden oder von Fremden mitgenommen.

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    Unfall im fließenden Verkehr

    Wenn Sie es waren:

    Natürlich passieren Unfälle nicht nur beim Parken. Wer im fließenden Verkehr einen Unfall hat, muss natürlich auch hier zu seiner Verantwortung stehen und vor Ort bleiben, damit Personalien und Daten für die spätere Schadenregulierung ausgetauscht werden können.

    Im rollenden Verkehr ist es wahrscheinlicher als bei „Parkremplern“, dass ein Mensch zu Schaden kommt. Darum sind solche Fälle von Fahrerflucht häufig nicht nur besonders skrupellos, sondern gehen mit unterlassener Hilfeleistung einher. Ist das der Fall, geht es um direkt Freiheitsstrafen. Da gibt es auch vorher nichts zu raten, außer: Bleiben Sie und helfen Sie!

    Wenn es Ihnen passiert ist:

    Sie fahren um eine enge Kurve, auf der Gegenseite parken Autos, und um eines dieser Autos kurvt jemand sein Auto herum, trotzdem dass Sie genau dort fahren. Es wird zu eng, Ihr Außenspiegel knallt gegen den des anderen und splittert weg. Sie halten natürlich direkt an. Aber der Verursacher ist weitergefahren und nicht mehr zu sehen.

    Absicherung der Geschädigten nach Fahrerflucht

    Vielleicht haben Sie sich das Kennzeichen gemerkt. Vielleicht Farbe und Automarke. Vielleicht sogar Eigenschaften des Fahrers oder der Fahrerin und Besonderheiten der Innenausstattung. Rufen Sie die Polizei – das ist die einzig sinnvolle Aktion, die Sie jetzt machen können.

    Aber was ist mit Ihrem Schaden?

    Personenschäden

    Wenn Sie verletzt worden sind, kommt Ihre Krankenversicherung für die Behandlungskosten auf. Auch die Unfallversicherung greift und zahlt die entsprechenden Leistungen, wenn aus dem Unfall der entsprechende Versicherungsfall resultiert.

    Anders sieht es mit Schmerzensgeld aus. Sie erhalten ein solches allenfalls, wenn der Täter ermittelt wird und wirtschaftlich leistungsfähig genug ist. Auch mit anderen Ausfall-Leistungen, die nicht über öffentliche Kassen oder Ihr eigenes Versicherungsportfolio abgedeckt sind, können Sie nicht rechnen.

    Wenn Sie diesbezüglich im Zweifel über Ihre Vorsorge sind, prüfen Sie zuerst Ihren individuellen Versicherungsschutz. Viele Haftpflichttarife bieten entsprechende Leistungserweiterungen an. Wenn Ihnen das nicht ausreicht sollten Sie außerdem nach entsprechenden Vorsorgeversicherungen suchen, die ursacheunabhängig bei körperlichen Einschränkungen zahlen.

    Sachschäden und Schäden am Fahrzeug

    Die Vollkasko-Versicherung

    erstattet wie bei Parkschäden auch die Reparaturkosten. Wenn es versichert ist, erhalten Sie auch Übergangsleistungen, bis Ihr Fahrzeug wieder einsatzbereit ist.

    Aber: Das wirkt sich auf Ihren Schadenfreiheitsrabatt aus.

    Im Gegensatz zu einzelnen Tarifen in der Teilkasko

    – die leichte Parkschäden ausgleichen – zahlt die Teilkasko bei solchen Schäden nicht. Hier ist es also besonders wichtig, dass Sie sich alles merken, was Sie vom Gegner beobachtet haben, und schnellstmöglich der Polizei mitteilen.

    Denn den Schaden müssen Sie selbst ersetzen.

    Tipp:Prüfen Sie verschiedene sogenannte „Schutzbriefe“ von Versicherungen und Auto-Clubs. Manche bieten immerhin Ersatz für zwischenzeitlich nötige Mietwagen.

    Mit und ohne Auto: „Wer eine Beule macht muss sie auch wieder ausbügeln“

    Übrigens gilt die Haftpflicht nicht nur zwischen Autofahrern. Auch wenn Sie mit dem Einkaufswagen auf dem Supermarktgelände ein Auto zerkratzen oder mit dem Fahrrad den Seitenspiegel eines Autos abknicken: Sie (beziehungsweise Ihre Haftpflicht) müssen den Schaden ersetzen. Auch hier dürfen Sie sich nicht unterlaubt entfernen.