25.10.18

Ärztliche Behandlungsfehler: Wie kann ich mich als Geschädigter erfolgreich wehren?

    Schnell passiert – langwierig betroffen

    Schnell passiert ein Unfall – oder man wird von einer schweren Krankheit plötzlich heimgesucht. Dann ist ärztlicher Rat gefragt. Und der ist in den meisten Fällen auch verlässlich, die Behandlung korrekt.

    Was aber, wenn dieser Rat sich als falsch erweist? Oder die begonnene Behandlung falsch war? Oder: Die Durchführung der zwar richtigen Behandlung war fehlerhaft?

    Auch wenn der Arzt natürlich die Ursache nicht verantwortet: Er muss seine Arbeit gewissenhaft ausführen. Wenn er das nicht macht, Fehler begeht; aber auch wenn er für Mitarbeiter formal haften muss, kommt es meist zum Streit. Denn die Folgen trägt der Patient. Und das sind keinesfalls Bagatellen.

    Was ist eigentlich ein Behandlungsfehler?

    Behandlungen können fehlgehen oder erfolglos sein. Das allein ist kein Kriterium für einen Behandlungsfehler.

    Von einem solchen spricht man, wenn der Arzt gegen Behandlungsprinzipien und sogenannte therapeutische und medizinische Standards verstoßen hat. Wenn der Verstoß zu einem Nachteil geführt hat, also meist einem ernsthaften Schaden für den Patienten, stehen Schmerzensgelder und Schadenersatzforderungen im Raum.

    Unterschieden werden:

    • Fehler bei der Beratung und Aufklärung: Der Arzt weist nicht auf alle Risiken der bevorstehenden Therapie hin oder erwähnt keine Behandlungsalternativen
    • Fehler bei der Diagnose: Der Arzt wertet Befunde nicht korrekt aus
    • Fehler in der Therapie oder bei der Organisation der Behandlung: Der Arzt hält sich nicht an Standards oder er kommt durch falsche Arbeitsabläufe in der Praxis zu einer Verletzung

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    Worum geht es in den Klagen?

    In irgendeiner Form geht es immer um Schadenersatz. Gründe sind in der Regel die Einschränkung der Gesundheit, der Beweglichkeit oder der Arbeitsfähigkeit nach der fraglichen Behandlung.

    Verdienstausfall

    Häufiger Grund ist ein entstandener Verdienstausfall. Der wird zurückgeführt auf eingeschränkte Arbeitsfähigkeit oder auf gänzliche Berufsunfähigkeit.

    Schmerzensgeld

    Wem unverschuldet Leid zugefügt wurde, hat unter Umständen Anspruch auf Schmerzensgeld durch den Verursacher.

    Wer ist in der Beweispflicht?

    Wer den Vorwurf eines Behandlungsfehlers erhebt, muss diesen in der Regel nachweisen. Wenn strafrechtlich relevante Vorwürfe im Hintergrund stehen, kann das zwar auch andersherum sein – aber das ist äußerst selten.

    Das Problem: Als Patient sind Sie in der Regel Laie und können nicht einschätzen, was ein unglücklicher Therapieverlauf ist und was ein Behandlungsfehler.

    Aber das Gutachten zu dieser Frage müssen die Geschädigten selbst erstellen lassen. Denn darauf soll später die rechtliche Argumentation stehen.

    Was müssen Sie bei der Vermutung von Behandlungsfehlern beachten?

    Gedächtnis-Protokoll anfertigen

    Das Gedächtnis-Protokoll unterstützt Sie dabei, den Verlauf der Behandlung zu rekonstruieren.

    Bei schwereren Erkrankungen oder zu erwartenden komplizierteren Behandlungsverläufen ist es ratsam, mit Notizen schon vor Therapie-Beginn anzufangen.

    Sie sollten notieren:

    • den Verlauf der Krankheit und die zugehörigen Diagnosegespräche
    • welche Untersuchungen durchgeführt wurden
    • welche Medikamente (mit Dosierung) verordnet wurden
    • welche Mitteilungen Sie dem Arzt über Ihren Zustand und Ihre Symptome gegeben haben

    Halten Sie zu allen Abläufen immer Datum und eventuell auch Uhrzeit fest, wenn mehrere Ereignisse am Tag erfolgen (wie bei einer stationären Behandlung üblich).

    Wenn es auffällige oder markante Äußerungen von anderen Ärzten, Personal auf der Station oder während der Behandlung gegeben hat, empfehlen sich auch dazu kurze Notizen. Halten Sie hier auch den Hintergrund fest, vor dem diese Äußerungen getätigt wurden. Hat jemand den Behandlungsverlauf beobachtet, wie zum Beispiel Zimmergenossen? Auch hier können Kontaktdaten hilfreich sein, wenn später möglicherweise Zeugen nötig werden.

    Wichtig sind vor allem Namen: Wer hat wann mit Ihnen worüber gesprochen? Gerade Abläufe im Krankenhaus können unübersichtlich werden. Wer hatte wann Dienst oder ist von wem vertreten worden? Das können Sie im Nachhinein oft nicht mehr herausfinden. (Weiter zum Thema Krankenhauszusatzversicherung)

    Kopie der Patientenakte anfertigen lassen

    Die Patientenakte enthält wichtige Hinweise zum Therapieverlauf. Grundsätzlich sollte sie auch später noch zugänglich sein. Aber sichern Sie sich das Dokument bereits frühzeitig, um über alle Informationen selbst verfügen zu können.

    Zusammenarbeit mit der eigenen Krankenkasse

    Ihre Krankenkasse steht in der Regel an Ihrer Seite. Denn neben den Nachteilen, die Patienten aus Behandlungsfehlern entstehen, müssen auch die Kassen mehr zahlen, um die Folgen der falschen Behandlung zu finanzieren.

    Setzen Sie sich mit Ihrer Kasse also möglichst zeitnah in Verbindung und prüfen Sie, auf welche Art Sie Unterstützung erhalten können.

    Warum ist eine Rechtsschutz gerade hier wichtig?

    Der Hauptgrund für eine Rechtsschutzversicherung ist: Behandlungsfehler sind schwer objektivierbar und müssen genau nachgewiesen werden. Noch wichtiger wird eine genau Beschreibung der Folgen eines Behandlungsfehlers. Was ist tatsächlich Folge des Fehlers, was Folge der Ursache (und wäre vielleicht ohnehin eingetreten)?

    Wichtig ist also ebenso eine genaue Dokumentation. Das macht einen Fachanwalt nötig, der sich mit dem medizinischen Bereich besonders gut auskennt. Und der weiß, worauf es ankommt.

    Denn: Als Geschädigte kämpfen Patienten gegen einen finanzkräftigen Gegner. Ärzte müssen per Gesetz über eine Berufshaftpflichtversicherung verfügen. Diese wird den Vorwurf prüfen – und rechtliche Schritte dagegen einleiten. Denn sie soll schließlich die Kosten erstatten, wenn sich die Vorwürfe erhärten.

    Oder die Behandlung fand in einer Klinik statt, die über eine eigene Rechtsabteilung verfügt. Auch das können Sie als Privatperson in der Regel nur schwer selbst stemmen.

    Sie müssen also einen guten Anwalt bezahlen können. Und vor allem müssen Sie für Ihre Vorwürfe durch Gutachten erhärten. Das wird wesentlich leichter, wenn die Kosten und vor allem die Auslagen für die oft langwierigen eine Versicherung übernimmt. Denn häufig gehen die Verhandlungen über mindestens 2 Instanzen, bevor eine Partei recht erhält.

    Auf der anderen Seite stehen natürlich auch Güteverhandlungen im Raum. Denn in vielen Fällen wird über einen Vergleich ein annehmbarer Ausgleich für beide Seite verhandelt. Doch auch die Güteverhandlung sollten Sie von einem Anwalt begleiten lassen.

    • Meine Tipps:
      Arbeiten Sie mit Ihrer Krankenkasse zusammen. An wichtigen Stellen können Sie so Entlastung erhalten und müssen sich nicht um alle Fragen selbst kümmern.
    • Beauftragen Sie unbedingt einen Fachanwalt für Medizinrecht! Nur er kann verlässlich einschätzen, wie Sie am besten vorgehen sollten.
    • Sichern Sie die Kosten möglichst in einer Rechtsschutzversicherung ab. Achten Sie darauf, dass neben den Anwaltskosten auch Kosten für Gutachten und, besonders wichtig, Auslagen für Prozesse über mehrere Instanzen mit abgedeckt werden.